Wellenwochenende am 12. + 13.10.2019 von Martin

Sonnabend, 12.10.2019
Der Start von nur drei Flugzeugen in Aschersleben erfolgt gegen 8:30 UTC.
Der Wind kommt eher aus West als SW, ist aber mit ordentlich Geschwindigkeit in der Höhe angesagt.
Im Eigenstart geht es Richtung Windpark. Die erste Wolkenformation in Linie quer zur Windrichtung über dem Westrand von Aschersleben sieht schon nutzbar aus.
An der Luvseite gutes Steigen, der Cox-Motoraufsatz wird in 1300m GND eingefahren. Nur wenige Schlenker geht es mit anfangs mehr als 1m/s weiter hoch, und warum bin ich jetzt schon wieder mitten über Aschersleben?
Mist, die Linie steht gar nicht ortsfest!
Also nur was von der Starthilfe verschenkt, wehe ich muss nochmal anlassen (denkt an Greti …), nun fix weiter vor zum Windpark westlich von Aschersleben und möglichst nicht wieder so ein Ei legen.
Über dem Windpark in knapp 1200m angekommen und es geht immer besser in einem superruhigem Steigen von ca. 1m/s bis an die erlaubten 3000m heran. Immer schön ortsfest auf einer quer zum Wind ausgerichteten Bodenlinie ging es wirklich mal richtig verlässlich hoch.
Die etwa 80 Klamotten Wind haben meine beiden Mitflieger (ohne Dandy-Motoraufsatz) wohl derart zurück versetzt, dass sie irgendwann leider-leider aus dem Steigen raus getrieben wurden … und ich den Tag dann ohne deren Begleitung weiter fliegen musste … nein durfte, denn wir fliegen doch aus Freude und nicht weil wir müssen!
Nun also weiter Richtung Wellenfenster, die nicht mehr zu überbietende Ausgangshöhe sollte bei Ballenstedt wieder aufgehübscht werden.
Das ging allerdings gänzlich schief, über unzählige Minuten 3 bis 5 negative Meter ließen mich über FP Ballenstedt hinaus schießen und die Hälfte der Flughöhe war nun schon verbraucht.
So einfach auf die im Navi-Display eingekratzten Markierungen vom letzten Mal zu halten und dann so wie im Fahrstuhl zuvor eingerastet hoch zu kommen – das wäre auch zu einfach gewesen!
Und nu?

Da der Wind viel mehr Westkomponente hatte als sonst … rein der Theorie nach … suche ich dann doch mehr zum Harz hin … wie manns macht ists verkehrt, nein diesmal stimmt es:
Nach etwas Rumeiern finde ich eine tragende Linie (wieder etwa senkrecht zur Windrichtung) direkt über dem roten Steinbruch führend, die mich nach über 2 Stunden (ich hatte den Tag sonst nichts wichtiges mehr zu erledigen) an dieser Stelle auf fast 2500 Meter bringt. Aber nicht höher.
Man musste wirklich gewillt sein, das anfangs eher imaginäre Steiglinie von 0.2m auch mitzunehmen. Aber wenn ein Eichhörnchen den ganzen Tag rumknabbert ist es abends tatsächlich satt!

Immer schön vor die Wolkenlienen in 1500m fliegen und möglichst da oberhalb ankommen war meine mehrfache Empfehlung auf die Frage wo und wie ich hochgekommen bin.
Wenn man Pech hatte löste sich diese Linie aber schon innerhalb 10 Minuten auf.

Festhalten was man hat? Und heute gar nicht mehr weiter als Ballenstedt kommen?
Also weiter, es geht sogar auf dem Wege noch etwas rauf! Tja wenn man alles vorher wüßte, wäre ja langweilig.
Blankenburg ist oft eine gute Tankstelle, heute war da aber ein schwarzes Loch. Es geht so richtig nach unten, 1000m werden auf wenigen km bei 3-5m Minus verfolgen, einige km südöstlich von Wernigerode auf Basishöhe angekommen, nix geht, jetzt merkt man schon Turbulenzen der umgebenen Wolken, manche müssen umflogen werden weil man ganz sicher nicht mehr drüber kommt … etwas Unruhe wegen Greti kommt auf.
Puhhhhhhhhhhhh, wozu hab ich die Heizungsschuhe angezogen? Einen Umpolschalter werde ich einbauen, dann kann man mit den Socken auch kühlen 😉

Ob nun durch Verstand oder Glück, deutlich vor dem Luv der Wolken, noch ein paar Meter weiter, kam irgendwer noch mit mir zügig auf die ersehnten 3000m.
Haia, das Wellenfenster wurde sehr dankenswerter Weise gegen Nachmittag geöffnet (der jetzt auch schon in Gang war) und bis FL200 freigegeben, hophop, also auch rauf da!
Das war leichter gedacht als erledigt.
Bei Wernigerode lag das gute Steigen bis an 3000m ran leider deutlich süd-östlichlich außerhalb des Wellengebietes (da wo wir wieder hochgekommen sind), das passte aber zu der (stärkeren als sonst) westlichen Komponente.
Also hangelte ich mich über Wernigerode hinweg zu einer wieder tragende Stelle vor, die eben gerade so innerhalb Wellensektor liegt, das war dann ein paar km nordwestlich Wernigerode.
Bis 4300m konnte ich dort mit 0,1-0,3 m/s steigen, ab 3500m war es recht entspannt, es stieg nun auch nicht nur direkt am Fensterrand und man wurde ja auch in das Wellengebiet hinein gepustet.

Wir wollten den Wellenraum gegen 16 Uhr wieder der DFS zurück geben.
Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Wellenraum freigegeben wird, daher die Abwägung wegen sehr geringer Nutzeranzahl des Wellenraumes, diesen „freiwillig“ wieder zurück zu geben.
Man hoffte nebenbei auf den morgigen, besser vorhergesagten Sonntag, dafür konnte diese Taktik nicht schaden.

Ulkig, nein eher bedenklich war die Nachfrage eines Piloten, der bei Aschersleben nach dem Einflug in das Wellengebiet fragte, aber gleichzeitig anmerkte nicht genau zu wissen wo/wie das Gebiet eingegrenzt ist.
Ohweiah, mal ehrlich, ohne eine GPS-genaue, graphische Darstellung der eigenen Position ist es doch praktisch völlig unmöglich an den Rändern das Verbleiben innerhalb des Gebietes sicher zu stellen ???
Spätestens in 5000m Höhe ist doch schon alles der Randbereich!
Da es an dieser Stelle sehr gut passt und noch keine Lösung gefunden wurde:
Wie kann man sich bei der Annäherung an den Wellensektor-Rand (also vor dem Ausflug aus dem Wellenfenster in das nebenliegende FL100-Gebiet) per XCSoar warnen lassen ??

Die Windmaschine pustete bis jetzt immer so aus 250-255 Grad mit etwa 80-90km/h.
Unterhalb des Wellendeckels ging es an mehreren Stellen immer wieder bis 3000m heran. Eine wolkige Blubberbrühe schwappte aus der Ferne heran (die gegen Abend 8-10 Regentropfen auf das Flugplatzgelände fallen ließ).

Die Windgeschwindigkeit stieg kurzzeitig auf über 100km/h, da konnte man mal auf Linien von einigen km wiederholt vorwärts und rückwärts im Steigen fliegen OHNE die eigene und Flugzeugnase nach Osten zu richten.
Siehe Groundspeed 🙂
Schade, dass die Sonne irgend wann an eine Landung erinnerte, die fehlende Wärme an den Füßen konnte durch künstlich erhitzten Metalldraht ersetzt werden, das Tageslicht aber nicht.
Sehr schade auch, dass ich ohne die beiden in Aschersleben gestarteten Mitfliegers durch die Gegend schaukeln mußte (durfte, s.o.).

Die Nacht zu Sonntag:

Sonntag, 13.10.2019
Der Sonntagsflug war interessant, sozusagen der große Bruder von „ganz besonders nett“. Und auf einige mit Motor im Rücken war Greti ganz schön sauer!
Dieses Foto hat ein unnötiges Anlassen provoziert, es sah aber einfach zu interessant aus (muß ich anfassen), das Wolkendingsbums mit Cäppi war viel kleiner als es erscheint und bildete sich innerhalb von wenigen Minuten:

Was da ging ???
5 Sekunden mit + 2 bis 3m …. dann gabs 500 Sekunden in ganz viel Minus.

Nach viel zu früher Landung gegen 15 Uhr, so ein Wolkenbild, und ganz viel viel später:

Nachdem alle gelandet waren frischte der Bodenwind deutlich auf, schade-schade, da wäre noch mal richtig was drin gewesen in der Überraschungskiste!

Vielen Dank wieder an Wolfgang und sein Team für das Engagement und damit für die Ermöglichung des Flugbetriebes!
Den alten Leppo-Golfi gibt es noch, mein vergleichbares Modell zu Hause fährt auch immer noch, sogar mit gültiger HU-Plakette. Welcher hält länger durch?
Danke nochmals an die Flugsicherung für die Freigabe des Wellenraumes.

Bis zu nächsten Mal, DG-Wellenflieger Martin